Börsen reagieren verschnupft auf FED Aussagen / Bürgerproteste sind nicht nur positiv
In dieser Woche hat der DAX seinen Aufwärtstrend endgültig verlassen und ist in eine Konsolidierung eingetreten. Nachdem die FED keine weiteren Konjunkturspritzen mehr geben möchte sind vielerorts die Aktienmärkte stark gefallen.
Der DAX hatte am Mittwoch einen Tagesverlust von mehr als zwei Prozent zu verzeichnen. Einen Abschlag von dieser Größe gab es in diesem Jahr noch nicht und auch der VDAX, ein Maß für die Volatilität, stieg um 16,8 Prozent. Je niedriger der VDAX notiert, desto geringer ist die Angst an der Börse, und umgekehrt. Vorausgegangen waren Äußerungen der amerikanischen Notenbank, dass man die Konjunktur auf einem robusten Wachstumspfad sehe und keinen Anlass für weitere Stützungsmaßnahmen mehr sehe. Grundsätzlich ist diese Aussage positiv zu werten, denn die jüngsten amerikanischen Konjunkturdaten spiegeln diese Einschätzung wieder. Wie sehr, vor allem Banken, auf weitere Liquidität gehofft haben, zeigten die Reaktionen. Meine Aussage vor einigen Wochen, dass Banken süchtig nach Liquidität seien, sehe ich bestätigt. Wenn man die Konjunktur und die Banken mit Drogensüchtigen gleichsetzt, so wäre man bei einem Süchtigen sicherlich froh, wenn er von der Droge weg käme und keinen neuen Schuss mehr bräuchte. Man würde sich für ihn freuen.
Die obersten Verwaltungsrichter der Bundesrepublik haben dem Frankfurter Flughafen weitere Nachtflüge verboten. Für die Anwohner ein Grund zum Feiern, für den Standort Deutschland ein Nachteil. Es ist nicht der erste Protest gegen ein Großprojekt Infrastruktur und es wird nicht der letzte sein. Die wirtschaftlichen Folgen sind nicht genau absehbar, doch einiges kann man schon jetzt feststellen. Die Lufthansa wollte in Frankfurt rund eine Milliarde neu investieren. Die Pläne werden nun neu sortiert und es würde keinen überraschen, wenn die Mittel teilweise in andere Projekte fließen würden. Damit man das richtig einzuordnen weiß, der Frankfurter Flughafen ist der größte Arbeitgeber in Hessen und mit den dazugehörigen Zulieferbetrieben und Logistikunternehmen auch der größte Arbeitgeber an einem Standort in Deutschland. Egal ob Stuttgart 21 oder die Elbvertiefung, vielerorts werden mit Hinweisen auf den Umwelt- oder Artenschutz wichtige Infrastrukturprojekte verhindert oder verzögert. Häufig wird es für uns, die Steuerzahler, auch teurer. Die ICE-Strecke München Berlin wurde beispielsweise 1999 stillgelegt. Später wurde sie, nach dem Stopp, weitergebaut und statt der sieben Milliarden Kosten mussten zehn Milliarden bezahlt werden.
Was bleibt ist der Eindruck, dass Deutschland sich zur Stillstandsrepublik entwickelt und im internationalen Wettbewerb seine Standortvorteile verspielt.
